Die Suche nach Caduta Sassi

Die Suche nach Caduta Sassi

oder

„Wie man eine Nadel in einem Heuhaufen findet“

Als unser Toskana-Urlaub für den Spätsommer 2013 gebucht war, nahmen wir uns vor, uns das Haus der Donners einmal in natura anzuschauen. Bei der im Vorfeld durchgeführten Recherche im Internet stellten wir allerdings schnell fest, dass es dort leider überhaupt keine Informationen über Caduta Sassi gab. Wir beschlossen daher, einen Tagesausflug nach Caldana zu machen und das Haus auf gut Glück in der Umgebung des Dörfchens zu suchen. So ein auffälliges Gebäude, das würde schon nicht so schwer sein! Offenbar waren wir da aber wohl etwas zu optimistisch. Kurzum: Wir fanden gar nichts. Nulla. Niente.

Aber unser Ehrgeiz war geweckt.

Nach unserer Rückkehr aus Italien durchforsteten wir zunächst das Filmmaterial nach Hinweisen. Doch die Aufnahmen aus der Serie, die das Podere und seine Umgebung zeigen, ließen absolut keine Rückschlüsse auf seinen Standort zu. Auch die erneute, diesmal sehr intensive Recherche im Internet gab nichts her, wobei wir sowohl nach deutschen als auch nach italienischen und englischen Quellen suchten. Wir fertigten daher anhand der Bilder aus der Serie eine Grundrissskizze des Hauses an, um von Caldana ausgehend systematisch in Google Earth danach suchen zu können. Nach und nach ergänzten wir die Skizze durch weitere Details, die man dem Filmmaterial entnehmen konnte: die ungefähren Abmessungen des Hauses, die Position des Schornsteins auf dem Dach, der auffällige Felsen auf der Südwestseite des Hauses, die Zuwegung auf der Nordseite, die Vegetation in der Umgebung…

Nach einer Analyse der in einigen Szenen sichtbaren Sonnenstände hatten wir irgendwann auch recht genaue Kenntnisse über die Ausrichtung des Hauses. Eigentlich hätten wir anhand dieser Informationen in Google Earth fündig werden müssen, wenn das Haus in der Umgebung von Caldana gestanden hätte. Weil dem aber offensichtlich nicht so war, mussten wir den Radius um den Ort immer größer ziehen und so erwies sich unsere virtuelle Reise durch die Hügellandschaft der Maremma sehr bald als äußerst ermüdendes Unterfangen, das der sprichwörtlichen Suche nach einer Stecknadel im Heuhaufen gleichkam. Irgendwann mussten wir uns eingestehen, dass das Gebiet schlichtweg zu groß ist, um es komplett abzusuchen. Immerhin erstreckt sich die Toskana von Massa und Florenz im Norden bis Grosseto im Süden und bot somit theoretisch 23.000 km² Platz für das Haus. Unser Ansinnen war unter den gegebenen Umständen nahezu aussichtslos.

Unsere Skizze…

Also nahmen wir unseren Mut zusammen und schickten E-Mails an die Schauspieler, deren E-Mail-Adressen wir hatten. Die, die antworteten, konnten sich jedoch leider nicht mehr erinnern, wo das Haus steht. Nach inzwischen über zwanzig Jahren war das ja auch nicht weiter verwunderlich. Wir lasen nun Online-Vermietungsanzeigen aus der Toskana und durchstöberten Immobilienanzeigen einschlägiger Anbieter im Internet. Fehlanzeigen. Wenn aber jemand Fragen hat: Wir sind inzwischen Branchenkenner…

Unterdessen hatten wir die einzelnen Folgen mehrfach vorwärts und rückwärts laufen lassen und waren bereits in der Lage, erste Dialoge fließend mitzusprechen. Irgendwann entdeckten wir auf der Hauswand, an der die Treppe zum Obergeschoss von Caduta Sassi führt, eine aufgemalte 15. Eine Hausnummer! Doch was nutzt das ohne Straßennamen? Die Serie lieferte scheinbar keinerlei Hinweise. Bis wir dann gegen Ende September 2013 auf eine Szene in Folge 14, „Eine geschäftliche Beziehung“, stießen, in der sich Julius hinter der Mauer der Terrasse vor Sigi und dessen Hund versteckt. In dem Moment, wo Julius kurz über die Mauer schaut, um sich einen Überblick über seine Situation zu verschaffen, fängt die Kamera eine auffällig helle Stelle in den im Hintergrund zu sehenden Bergen ein (um 0:24:08 Std). Ein Steinbruch? War dies der Hinweis, nach dem wir suchten? Auch Steinbrüche gibt es in der Toskana reichlich. Aber ein Anfang war gemacht! Wir glaubten zudem, ein oder zwei Schlote und eine Schnellstraße erkennen zu können. Das wäre natürlich auch eine Erklärung dafür gewesen, warum in der gesamten Serie nicht ein einziges Mal gezeigt wird, welchen Ausblick man zum Beispiel aus den Fenstern im Obergeschoss hat. Ein Industriegebiet oder dergleichen in der Nähe hätte dem Haus natürlich seinen Zauber genommen!

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Die Szene aus Folge 14: Links oberhalb des Kopfes erkennt man deutlich eine auffällige große helle Stelle in den Bergen. Quelle: DVD „Ein Haus in der Toscana“, erschienen 2008, im Vertrieb bei der Studio Hamburg Distribution & Marketing GmbH, Folge 14, 0:24:10 Std.

Ein Italiener half uns auf die Sprünge

Der Zufall wollte es, dass wir ein oder zwei Tage vor dieser Entdeckung Kontakt zu einem Italiener aufgenommen hatten, auf den wir in einem Internetportal gestoßen waren. Es stellte sich heraus, dass er an der Serie mitgewirkt hatte. Zwar nicht als Komparse, er hatte aber seinen Fiat Pulmino als Polizeiwagen für die Aufnahmen zur Verfügung gestellt. Wir schickten ihm eine Ausschnittvergrößerung des vermeintlichen Steinbruchs und der Berglandschaft aus besagter Szene mit der Bitte, sich das einmal anzusehen. Er machte uns zunächst wenig Hoffnung, versprach jedoch, noch ein paar Bekannte zu fragen, und rund drei Wochen später schrieb er uns, er sei relativ sicher, dass es sich um den Steinbruch in Gavorrano handelt. Weiterlesen…