Die Suche nach Caduta Sassi (Fortsetzung)

Endlich hatten wir die ersehnte heiße Spur!

Wo um alles in der Welt steht Caduta Sassi?

Von diesem Augenblick an verbrachten wir eine Woche lang jede freie Minute vor dem Computer, schauten mit Google Earth und Google Street View aus allen möglichen Positionen in Richtung dieses Steinbruchs, um einen Ort zu finden, von dem aus man einen ähnlichen Blick auf den Steinbruch selbst und die ihn umgebenden Berge hatte. Sehr bald konzentrierten wir unsere Suche auf eine bestimmte Gegend, die bereits in einiger Entfernung von diesem Steinbruch liegt. Mit Google Street View stießen wir dort tatsächlich auf die eine oder andere Stelle, die einen vergleichbaren Blickwinkel zuließ wie in der Szene aus der Serie. Doch die Bergsilhouette wollte einfach nicht zu jener passen, die man in der Szene sah! Wieder mussten wir das Suchgebiet auf gut Glück erweitern, denn nicht von überall in der Gegend gab es Bilder aus Street View. Irgendwann hatten wir jedes Haus in der viele Quadratkilometer großen Umgebung mehrfach mit der von uns angefertigten Grundrissskizze verglichen. Wie konnte es nur sein, dass wir Caduta Sassi immer noch nicht gefunden hatten? Hatten wir trotz unserer akribischen Suche ein Haus übersehen? Wieder beschlichen uns Zweifel, wie etwa, dass das Haus inzwischen Anbauten erhalten haben könnte oder Teil einer Siedlung geworden und unser Suchschema deshalb falsch war. Schließlich freundeten wir uns sogar schon mit dem Gedanken an, dass das Podere womöglich einer toskanischen Abrissbirne zum Opfer gefallen war.

Natürlich bestand vor allem auch die Möglichkeit, dass sich unsere Quelle geirrt hatte. Dass es sich um einen anderen Steinbruch handelt, der vielleicht inzwischen renaturiert, wieder mit Bäumen bewachsen und dadurch in Google Earth von oben nicht mehr ohne Weiteres als solcher zu erkennen ist. Damit hätten wir in der völlig falschen Gegend gesucht. Immer wieder schauten wir daher auch nach weiteren Steinbrüchen, die in Frage kommen konnten. Oder dass das gar kein Steinbruch war, sondern etwas ganz anderes. Ein Weinberg vielleicht. Eine große Wiese.

Gleichzeitig geisterte aber immer noch ein Hinweis in unseren Hinterköpfen herum, den wir vom Betreiber einer Toskana-Seite im Internet erhalten hatten. Er hatte vor einigen Jahren bei einem Besuch von Massa Marittima mit den Inhabern der Bar Vanni gesprochen. Diese hatten ihm vage beschrieben, in welcher Gegend das Haus nach ihrer Erinnerung liegt – vom Hörensagen wohlgemerkt – ohne jedoch Genaueres zu wissen. Die Gegend, die sie ihm genannt hatten, hatten wir schon früher mehrfach abgesucht, ohne etwas zu finden. Wir versuchten uns in zahlreichen Interpretationen dieser Beschreibung und weiteten unsere Suche auf eine neue Region aus, bei der wir uns aber eigentlich einig waren, dass es dort – aufgrund der enormen Entfernung von Gavorrano – unmöglich eine Stelle geben konnte, von der aus man besagten Steinbruch noch in einer solchen Größe hätte sehen können. Andererseits könnte eine Aufnahme mit einem entsprechenden Objektiv sicher über manche Entfernung hinwegtäuschen. Und ja: Plötzlich zeigten die Bergsilhouetten um den Steinbruch, die man durch Neigung des Betrachtungswinkels in Google Earth sah (die künstlich von Google Earth erzeugten Bilder sind nicht zu vergleichen mit den realen Bildern aus Street View), deutlich erkennbare Übereinstimmungen! Wir konzentrierten unsere Bemühungen nun darauf, den genauen horizontalen Winkel zu ermitteln, in dem der Steinbruch zum Haus liegt. Irgendwann waren wir sicher, besagten Winkel zu kennen. Nun mussten wir eigentlich nur noch einer Linie – oder sagen wir einem rund einen Kilometer breiten Korridor – folgen, den wir in ebendiesem Winkel vom Steinbruch aus zogen. Doch diese Linie wurde lang und länger, ohne dass wir fündig wurden. Inzwischen waren wir schon etliche Kilometer vom Steinbruch weg. Wir begannen in unserer Verzweiflung, sämtliche Vorstellungen über mögliche und unmögliche Entfernungen über den Haufen zu werfen. Und da! Plötzlich war da ein recht einsam gelegenes Anwesen, das uns förmlich ansprang. Wir konnten es zunächst gar nicht glauben. Doch es gab keine Zweifel: An diesem Mittwochmorgen, dem 16. Oktober 2013, hatten wir das Haus gefunden. Nie hätten wir gedacht, es dort zu finden!

Da ist es!

Epilog

Das Geheimnis um Caduta Sassi war also gelöst und wir konnten endlich wieder ruhig schlafen… Ach übrigens: Was wir zunächst für Schlote gehalten hatten, waren Telefonmasten!

Als wir das Haus schon längst gefunden hatten, entdeckten wir noch einige Szenen, die uns die Suche möglicherweise um einiges erleichtert hätten, wenn wir sie denn vorher aufmerksamer angeschaut hätten. In Folge 2, „Dachschaden“ sieht man bei 0:29:29 den von uns in mühsamer Kleinarbeit erarbeiteten Grundriss des Hauses auf dem von Rosl mitgebrachten Plan. Und in einer anderen Folge sieht man kurz hintereinander zweimal deutlich Fragmente der realen Adresse des Hauses. Die Suche anhand dieser Fragmente führte allerdings bei Eingabe in Google nicht direkt zu dem Haus. In Folge 6 („Der Schatz der Etrusker“) sieht man die helle Stelle in den Bergen bei 0:20:00 Std. ff. ebenfalls und hier wird klar, dass es nur ein Steinbruch sein kann.

Die in der Serie vielfach gezeigte Westseite (Aufnahme aus August 2014)

Aber wo steht das Haus denn nun?!

Inzwischen war bereits der Urlaub für 2014 gebucht, der uns erneut in die Maremma führen sollte. Wir beschlossen, mit jeder Veröffentlichung auf dieser Seite zumindest so lange zu warten, bis wir das Haus mit eigenen Augen gesehen hatten. Vor allem die Bekanntgabe des genauen Standorts wollten wir von unserer Einschätzung abhängig machen, ob man den heutigen Eigentümern und Bewohnern des Hauses Besuche von Fans der Serie zumuten kann. Inzwischen sind wir davon überzeugt, dass es besser ist, den Standort nicht preiszugeben. Denn das Haus wurde sicher in dem Glauben erworben, dass man vor neugierigen Blicken geschützt ist, weil kaum jemand weiß, wo es steht. Daher belassen wir es bei Fotos.